ANNE FRANK FEIERT GEBURTSTAG - Ein Gedenkstück zum Erleben und Mitfühlen (von und mit Anna Knott und Karoline Troger)

 

Am 13. und 14. November 2019 erlebten unsere Schüler*innen der 7. Jahrgangsstufe eine einzigartige Aufführung aus der Feder der wunderbaren Schauspielerinnen Anna Knott und Karoline Troger:
„Anne Frank feiert Geburtstag“ ist ein in Gedenkstück mit zwei Schauplätzen: Teil 1 zeigt die Geburtstagsfeier anlässlich des 13. Geburtstags von Anne Frank (in unserer alten Schulaula); Teil 2 spielt im dunklen, kalten Hinterhaus – im Versteck (an der Prinsengracht 263-267 in Amsterdam, Niederlande), in dem Anne Frank über zwei Jahre lang auf engstem Raum ausharren musste (der Dachboden unserer Schule). Anne Frank war ein deutsch-jüdisches Mädchen, das mit ihrer Familie aus Nazi-Deutschland geflohen war, in die Niederlande auswanderte und dort wegen der Verfolgung der Juden auch untertauchen musste, ehe sie am Kriegsende dem Holocaust zum Opfer fiel und im KZ Bergen Belsen sterben musste.
Mit ihrem „Das Tagebuch der Anne Frank“, das sie bereits als 13-Jährige zu schreiben begann, wurde sie weltberühmt.
Bei gedecktem Geburtstagstisch (mit Erdbeerkuchen und Geburtstagskerze, Rosen und dem Tagebuch der Anne Frank) finden sich die Geburtstagsgäste (unsere Schüler) ein, und bereiten sich mit Lied und Luftschlangen auf Annes Ankunft vor. Über dem Geburtstagstisch hängt kein Happy Birthday, sondern eine Girlande mit den mahnenden Worten: It’s not a memory – it’s a warning to all of us. (Es ist keine Erinnerung, es ist eine Warnung für uns alle!) Unheil liegt in der Luft. Aber ausgelassen und fröhlich feiern Anne (Anna Knott) und ihre Freundin Hanneli (Karoline Troger) Geburtstag. Doch plötzlich ändert sich die Atmosphäre und wird sehr ernst, ja sogar bedrohlich: Im Stechschritt zählen Anne und Hanneli auf, was Juden alles nicht dürfen: „Juden dürfen nicht mehr Fahrrad fahren. Juden dürfen nicht ins Kino gehen. Juden dürfen nach 20 Uhr nicht mehr draußen sein.“ Abrupt werden die Gäste von einem Gestapomann (Karoline Troger) mit einem Knüppel brutal verjagt – das Treppenhaus hinauf, auf den dunklen Dachboden. (O-Ton Schüler: „Puhh, ist es hier dunkel und kalt! Hier stinkt es! Wie solln wir hier alle Platz haben?“) Die Gäste werden Mit-Akteure, Untertauchende, Hinterhäusler. In einer Schulszene erarbeitet die Lehrerin (Karoline Troger), die Schülerin (Anna Knott) und unsere Schüler, was der Begriff „Freiheit“ bedeutet. ALLE spielen, fühlen und leiden mit, lassen sich in das Geschehen mit hineinnehmen. Beim Kartoffelschälen bekommen die Schüler Rollen zugewiesen: Herr und Frau van Pels mit Hut und Nachttopf. Und plötzlich: „Licht aus!“ Es wird dunkel. Geräusche im Haus! Geräusche auf der Treppe! Schritte! Nur das beklemmende Atmen der Hinterhäusler! Unvorstellbare Angst entdeckt und abgeholt zu werden macht sich breit. (Unsere Schüler lassen sich in den Bann der Dunkelheit ziehen und lernen die Situation auf dem kalten Dachboden auszuhalten.) Dann das Aufatmen. Es ist nur Miep, eine Helferin, die den Versteckten Lebensmittel bringt. Miep darf aus Annes Tagebuch deren wundervolle Geschichte „Gib“ kennenlernen und selbst lesen. Annes Großmutter sagte: „Vom Geben wird man nicht arm.“ Miep zeigt sich beeindruckt. Tiefgründige Dialoge folgen. „Alle Menschen atmen die gleiche Luft. Alle Menschen sind gleich viel wert.“ „Gib und du wirst empfangen“ schreibt Anne Frank in ihrem Tagebuch. Sie erinnert damit in abgewandelter Form an den Bibelvers aus Matthäus 7,7: „Bittet so wird euch gegeben.“ Anne ist dankbar, dass sie von Gott die Möglichkeit bekommen hat zu schreiben. Die Vorwürfe ihrer Mutter arbeitet sie in einem Dialog auf. „Die Freiheit im Denken, die Freude über alles Schöne, sowie darüber, sich entwickeln zu können, die Entscheidung für Hoffnung, Mut und Fröhlichkeit, sowie das Glück in sich selbst, stehen der bisherigen Skepsis gegenüber.“ Gegen Ende: Die Lehrerin liest die Geschichte der Untergetauchten zu Ende. Die Schüler (unsere Schüler!), die sich doch mit ihren Rollen im Hinterhaus identifiziert hatten sind berührt, ja sogar schockiert. Alle Menschen aus dem Versteck werden entdeckt, abtransportiert und ermordet - ihr Leben endgültig ausgelöscht. Ausnahme bleibt Otto, Annes Vater, der als einziger der Hinterhäusler überlebt. „Es ist an uns, den einfachen Menschen dieser Welt, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert,“ ist die Quintessenz, die in einer Video-Botschaft von Abu aus Afghanistan gipfelt, einem Freund, der in Österreich lebt und der heute auf Grund seines Flüchtlingsstatus die Ausgrenzung spürt.“ (aus dem Exposé von Anna Knott und Karoline Troger). Als symbolische Erinnerung an das Theatererlebnis erhält jeder „Hinterhäusler und Mit-Untertaucher“ einen Origami-Kranich mit dem Spruch „All her would haves, are our opportunities“ (also: Alles was sich Anne Frank gewünscht oder gerne in Freiheit getan hätte - das alles sind unsere Möglichkeiten!!) Der Kranich ist ein Freiheits- und Friedenssymbol. Er erinnert an die kleine Sadako, die den Atombombenabwurf von Hiroshima (6. August 1945 Bombardierung Hiroshimas durch US-amerikanische Streitkräfte) als zweijähriges Mädchen zunächst überlebte, jedoch zehn Jahre später an Leukämie, der Atombombenkrankheit stirbt. Ihre beste Freundin erzählte ihr von der japanischen Legende, die besagt, dass demjenigen, der tausend Papierkraniche faltet, ein Herzenswunsch erfüllt wird. Seither ist der Kranich weltweit ein Symbol des Friedens. Sadako wird als „die japanische Anne Frank“ bezeichnet, weil auch sie als kleines Mädchen Opfer eines grausamen Krieges wurde, der für sie und 300.000 andere Menschen alle Träume, Wünsche und Hoffnungen auslöschte. ´´It’s not a memory – it’s a warning to all of us``. Die großartigen Schauspielerinnen Anna Knott und Karoline Troger scheuten keine Mühe bei den Vorbereitungen ihres tiefgründigen Stücks, und versuchten dadurch größtmögliche Authentizität herzustellen. Sie reisten dazu eigens nach Amsterdam, besuchten das ehemalige Wohnhaus der Familie Frank, das Hinterhaus, ihr Versteck, und sie sprachen mit Zeitzeugen. Sie besuchten das KZ Bergen Belsen, in dem Anne Frank mit großer Sicherheit im Februar 1945 starb. Ja, sie reisten vor kurzem sogar nach Jerusalem zu Hanneli, Annes beste Freundin: Hannah Pick-Goslar. Sie durfte am 12.11.2019 ihren 91. Geburtstag feiern. Dazu gratulieren wir nachträglich ganz herzlich und wünschen uns mit ihr „Schalom“ – den Frieden. Als Schule ohne Rassismus Schule mit Courage freuen wir uns ganz besonders darüber, dass wir das außergewöhnliche Gedenkstück „Anne Frank feiert Geburtstag“ miterleben und mitfühlen durften. Mögen wir alles erdenklich Mögliche gegen Antisemitismus tun, damit nie wieder so etwas Schreckliches geschieht, und mögen wir uns bewusst machen, welch kostbares Gut es doch ist in Freiheit zu leben, auf dass jeder von uns Verantwortung übernimmt: Denn jeder Mensch atmet die gleiche Luft und jeder Mensch ist gleich viel wert.
https://www.annefrank.org/de/anne-frank/das-hinterhaus/

AnneFrankTheater2019 (1)

AnneFrankTheater2019 (2)

AnneFrankTheater2019 (3)

AnneFrankTheater2019 (4)

AnneFrankTheater2019 (5)

AnneFrankTheater2019 (6)

AnneFrankTheater2019 (7)

AnneFrankTheater2019 (8)

AnneFrankTheater2019 (9)

Zusätzliche Informationen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.